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Reise nach Lateinamerika rundet Bundesratspräsidentschaft ab
Ole von Beust in Kolumbien und Mexico
Berlin - Kolumbien - Mexico - Berlin. Zwei Länder in sechs Tagen. Mit einem straffen Programm endete die Bundesratspräsidentschaft Ole von Beusts. Allein sechs Gespräche mit hochrangigen Parlaments- und Regierungsvertretern führte von Beust zwischen dem 26. und 31. Oktober in den beiden Staaten Lateinamerikas.
Bei 17 Grad und Nieselregen machte Bogotá den Anfang der Reise. Gut zwei Tage blieb von Beust in der kolumbianischen Hauptstadt, die 2007 von der UNESCO zur Welthauptstadt des Buches ernannt wurde. Am Montagmorgen traf er dort zunächst den Senatspräsidenten, Hernán Andrade Serrano. Dieser führt seit Juli dieses Jahres den Vorsitz des insgesamt 102 Sitze umfassenden Senats, in dem Vertreter der 32 Regionen Kolumbiens sitzen. Im Gespräch erörterten Senats- und Bundesratspräsident vor allem die Bedeutung einer verbesserten sozialen Situation Kolumbiens bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität und dem Drogenhandel. Von Beust betonte das Interesse Deutschlands, die langjährige Freundschaft zwischen Deutschland und Kolumbien künftig noch intensiver zu pflegen. "Jetzt entdecken wir alte Freunde neu", erklärte er.
Auf den Weg zu mehr Gerechtigkeit
Der Rest des Tages stand ganz im Zeichen der kolumbianischen Wirtschaft. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen Kolumbien und den USA sowie die angestrebten Assoziierungen mit der EU waren Schwerpunkte des Treffens mit dem kolumbianischen Außenminister Luis Guillermo Plata.
Begrüßung im Betriebskindergarten der Schnittblumenfarm
Um "Fair Trade" ging es beim anschließenden Besuch der Schnittblumenfarm GM Consultores Ltda. in der Nähe Bogotás. Die Kinder der dort beschäftigten Frauen hießen die Delegation mit kleinen Deutschlandflaggen willkommen. Kolumbien gilt als einer der größten Produzenten von Schnittblumen. Niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen gehören zum Alltag der meisten Beschäftigten in diesem Sektor. Die GM Consultores zahlt ihren Mitarbeitern als eine der wenigen Ausnahmen einen garantierten Lohn, der mit 250 Dollar über dem Mindestlohn liegt. Außerdem beschäftigt sie Flüchtlinge und alleinerziehende Mütter und hat einen Betriebskindergarten eingerichtet. Unterstützt wird die Farm durch Gelder der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).
… und weniger Terror
Höhepunkt am Dienstag war das Treffen zwischen Bundesratspräsident von Beust und dem kolumbianischen Staatspräsident Dr. Alvaro Uribe Vélez. Der kolumbianische Außenminister Jaime Bermudéz nahm ebenfalls an dem Gespräch teil. Zentrales Thema war auch diesmal die Bekämpfung des Drogenhandels. Besonders beeindruckt zeigte sich von Beust anschließend über die Erfolge des Landes in der Terrorismusbekämpfung. Erst im Juli dieses Jahres hatte das kolumbianische Militär die kolumbianische Politikerin und ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt aus der Geiselhaft befreit. Die größte Guerillaorganisation Kolumbiens FARC hatte sie sechs Jahre in Gefangenschaft gehalten. Bereits seit 1964 führt die FARC einen bewaffneten Kampf gegen staatliche und nichtstaatliche Akteure des bevölkerungsreichsten Staates Südamerikas.
Fortsetzung 3175 Kilometer weiter nördlich
Besuch des anthropologischen Nationalmuseums
Am Dienstagabend setzte von Beust seine Reise gut 3100 Kilometer nordwestlich in Mexico-Stadt fort. Bereits unter den Azteken Hauptstadt des Landes, zählt die Metropole heute mit circa 22 Millionen Einwohnern zu den größten Städten weltweit.
Am darauf folgenden Morgen traf von Beust den mexikanischen Wirtschaftsminister Gerardo Ruiz Mateos. Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die geplante Reform des Bildungs- und Ausbildungssystems Mexikos. Wie Deutschland leidet auch die lateinamerikanische Bundesrepublik unter einem spürbaren Fachkräftemangel. Vor allem das deutsche Ausbildungssystem mit Meistern und Gesellen habe den Minister beeindruckt. Mexiko wünsche sich eine intensivere Zusammenarbeit in diesem Bereich, erklärte von Beust nach dem Treffen.
Meterhohe Vergangenheit
Anschließend warf er einen Blick auf die indigene Vergangenheit Mexikos. Besonders fasziniert war von Beust beim Besuch des anthropologischen Nationalmuseums von der Hochkultur der Azteken. Die teilweise meterhohen Skulpturen und Figuren der Ausstellung zählen nicht nur in Mexiko zu den wichtigsten Objekten historischer Zeugnisse. Auch weltweit gehören sie zu den bedeutendsten archäologischen Sammlungen.
Ole von Beust trifft den mexikanischen Senatspräsidenten Gustavo Madero Munoz
Während die Delegation am Donnerstag das zum Weltkulturerbe ernannte historische Stadtzentrum besichtigte, traf von Beust den mexikanische Senatspräsidenten Gustavo Madero Muñoz zum Gespräch. Anschließend stellte man ihn im Plenum des 128 Sitze umfassenden Senats vor.
Besondere Gastfreundschaft in der ältesten spanischen Siedlung Amerikas
Am vorletzten Tag der Reise flog von Beust in die östliche Küstenstadt Veracruz, wo ihn der dortige Gouverneur persönlich am Flughafen begrüßte. Die Geschichte der Stadt geht auf die älteste spanische Siedlung in Amerika zurück. Die dortige Festung San Juan Ulua steht noch immer für diesen historischen Ursprung. Wegen des starken Regens verzichtete man auf die eigentlich geplante Besichtigung der Befestigungsanlage.
Umweltschutz gegen Hafenrundfahrt
In dem rund 400 Jahre alten Rathaus überreichte der Bürgermeister von Veracruz von Beust am Freitag zum Zeichen besonderer Gastfreundschaft die Schlüssel der Stadt. Die anschließende Fahrt zum Hafen von Veracruz war der letzte Programmpunkt der Reise. Dieser gilt als einer größte Seehäfen Mexikos. Für einen verbesserten Umweltschutz der Hafengewässer und entsprechenden Forschungszwecken hat Veracruz eigens ein Aquarium errichtet. Anstatt der ursprünglichen Hafenrundfahrt beschloss von Beust kurzerhand, diese eindrucksvolle Wasserausstellung zu besichtigen. Er habe schon genug Häfen gesehen, erklärte Hamburgs Erster Bürgermeister lachend.

